KI und Kanon

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Dîlan Canan Çakir
Keynote Studierendenkongress 2026: Literatur und Digitalität Halle, Germany

Die aktuelle Debatte um Künstliche Intelligenz in der Literatur betrifft nicht nur die Frage, ob KI Texte schreiben kann, sondern wie sie unseren Blick als Literaturwissenschaftler*innen für Literaturgeschichte verändert. Wie entscheiden wir zukünftig, was der Kanon ist, was als relevant, wertvoll oder klassisch gilt? Der Vortrag beleuchtet, was passiert, wenn algorithmische Verfahren in der Literaturwissenschaft eingesetzt werden. Dabei zeigt sich ein Spannungsfeld: KI kann helfen, große Textmengen neu zu erschließen und Perspektiven zu erweitern. Gleichzeitig reproduziert sie oft genau die Strukturen, die sie sichtbar machen soll, etwa durch Bias in Daten, Modellen oder Anwendungen. Im Fokus stehen daher weniger technische Lösungen als grundlegende Fragen: Was ist eigentlich das Problem am Kanon im Zeitalter von KI? Auf welches Wissen über Literatur wollen wir uns oder können wir uns verlassen? Und was passiert, wenn wir versuchen, solche kulturellen Fragen algorithmisch zu bearbeiten? Die These ist: KI ist kein neutraler Beobachter, sondern spiegelt die Archive und Wertsysteme, aus denen sie lernt. Wer mit KI über Literatur arbeitet, arbeitet immer auch mit den blinden Flecken dieser kulturellen Überlieferung, um die es im Vortrag gehen soll.

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